Ameise Karl und Freund Thomas
„Großartig! was für
ein Finale.“, sagte Direktor Dürkmann als er, ohne es zu
merken, auf die Ameise Karl trat. Karl war zum Glück ein kluges
Kerlchen und rettete sich in eine Profilritze in der Schuhsohle des
achtlosen Direktors. Der profilierte sich weiter mit lauten Worten, die
jeder Zuschauer schon kannte, weil sie schon sehr oft von vielen Direktoren gesagt
wurden.
Karl kam schnell wieder frei. Der Direktor hatte es sehr eilig auf die Bühne zu kommen. Dort
gratulierte er der Akrobatin so ausgiebig, dass diese garnichts
mehr sehen konnte. Direktor Dürkmann stellte sich vor sie und war selbst im
Rampenlicht.
Karl machte sich nun schnell auf den
Weg zurück, bevor alle Zuschauer aufstanden und nach
drausen liefen. Er konnte nicht darauf hoffen, dass jede Schuhsohle
dort eine Profilritze hat, wo er gerade ist . Zu Hause
hatte er versprochen nicht so weit herumzulaufen und kam gerade
rechtzeitig an, als er eine vertraute Stimme fragen hörte. "Gehen
wir jetzt nach Hause?“ Karl sprang auf seinen Platz,
putzte sich noch schnell seine Antennen und schon ging es los. Schritte
so groß wie ein Riesenkettenradkarusell mit eingebauerter
Achterbahn waren für ihn das reinste Vergnügen.
Direktor Dürkmann stand noch auf
der Bühne, als die Akrobatin schon in die Garderobe und die
meisten Zuschauer gegangen waren, schwitzend im sehr heißen Scheinwerferlicht. Karl
dachte nicht mehr daran, wie knapp seine Begegnung mit diesem Riesen
gut ausging. Er lies sich die Luft um die Fühler saussen und
klammerte sich mit seinen sechs Beinen gut am Schuhleder fest. Es waren
unzählige Schritte bis nach Hause, obwohl es nur fünf Minuten
dauerte. Karl wartete wie gewohnt im Schuhschrank bis Alles ruhig
war. Dann schlich er vorsichtig zu seinem Freund ins Zimmer, um nicht
vom Besen erwischt zu werden, der hier immerwieder ganz plötzlich
auftaucht und über Dreck schimpft. Manchmal hat Karl das
Gefühl, er selbst wird auch als Dreck angesehen. Dabei hat er
sogar sechs Beine, ist mehr als Bärenstark und hat den Sohn vom "Großen Besen" zum Freund.
Thomas war gerade dabei seinen
Schlafanzug anzuziehen, als Karl unter der Tür durchlief.
„Anklopfen!“ machte Thomas einen Scherz. „Ich habe
drei mal auf den Boden geklopft, bevor ich reingekommen bin!“
antwortete Karl fluchs mit einem Fühlerwinken. Beide kicherten
leise. Thomas legte sich unter die Bettdecke und Karl krabbelte drauf.
So nah an Thomas heran, daß er von dessen Atemluft noch etwas
gewärmt, aber nicht weggeblasen wurde.
„Hast Du auch gesehen was die
Akrobatin alles gekonnt hat?“ fragte Thomas schon sehr müde.
Karl wollte damit Antworten wie knapp er unter dem Schuh davon kam.
Aber er ahnte ein wenig, wie Thomas sich bei den Ausmaßen mit „zertreten
werden“ auskannte. Er wolte ihm keinen Schrecken einjagen.
Deshalb machte er alle Kunststücke, die er gesehen hatte, nach.
Thomas reagierte mit einen begeisterten und sehr leisen Applaus, damit
er aus versehen am Ende nicht sogar noch den "schlafenden Besen"
weckte. Mit Besen kannte Thomas sich nämlich aus,
damit mußte er Krümmel und Ameisen wegkehren.
Die Aufführung der Akrobatin
dauerte insgesammt fast zwei Stunden, mit einer halben Stunde Pause.
Das Ganze begann um acht Uhr abends und jetzt war es schon halb elf.
Thomas fragte sich, ob Ameisen auch mal müde werden. Er sah Karl
immernoch munter Kunststücke machen als er selbst schon
einschlief. „Gute Nacht“, flüsterte Karl Thomas noch
zu. „Mhm“ machte Thomas noch, dann war er schon
eingeschlafen. Karl krabbelte vom Bett, unter der Tür durch, die
Treppe runter, wieder unter der Tür durch in die Küche. Alles
war dämmerig dunkel und nicht ganz ungefährlich. Der Besen
machte zwar keinen Mucks, aber es gab noch andere hungrige
Hausbewohner. Manche von ihnen mochten Ameisen zum fressen gern.
Besonderst viele davon gab es in der Küche. Karl lief mit seinen
sehr geschärften Sinnen zur Anrichte, hinauf und unter der Haube
durch, zum Kuchen. Er
liebte die süße Puderzuckerglasur über jede Gefahr,
aß sich satt und rannte mit Proviant wie ein Blitz
voller Puderzucker den ganzen Weg zurück durch Thomas Zimmer, um
sich dann sicher auszuruhen. Schon beim einnicken träumte
er von
dem
Riesenkettenradkarusell mit eingebauter Achterbahn, das er heute
gefahren war und grinste zufrieden beim einschlafen.
Als Thomas am morgen kurz vor dem
Weckergebimmel aufwachte, ist er etwas darüber verwundert
woran er sich erinnert. War das gestern abend nach der Aufführung
in
seinem Zimmer wirklich passiert? Hat er „Angeklopfen !“
gesagt, als eine Ameise in sein Zimmer kam und hat sie mit ihm
gekichert bevor sie vor seinen
Augen die Kunsttücke der Akrobatin auf seiner Bettdecke
nachmachte? Thomas rieb sich die Augen und schlurfte zum
Frühstück in der Küche. In seine Schultasche packte er
vor dem losgehen noch den Rest vom Kuchen mit der Puderzuckerglasur,
den er so gerne in der Schulpause aß. Er wurde noch daran
erinnert,
dass er die Krümmel nach der Schule sofort wegkehren soll, wegen
der Ameisen. „Ameisen“ dachte Thomas, in der Schule lerne
ich was die alles können und zu Hause soll ich sie wegkehren. Er
würde sie umsiedeln oder umleiten oder so, das hatte er auch schon
erklärt. Warum er dann lieb angelacht wurde, verstand er nicht.
Karl wachte in seinem Bau auf. Er
ging gestern abend seinen Geheimeingang von Thomas Zimmer und hatte
sogar noch den Proviant aus Puderzucker in den Backentaschen. Niemand
vom Bau
hatte sich gewundert, weil Ameisen immer unterwegs sind, um Futter zu
finden.
Nur dürfen die Männchen eigentlich garnicht so weit aus dem
Ameisenbau. Von der Geschichte erzählte er seinen Ameisen
Freunden. Besonderst
gerne, dass er einen Freund Thomas hat, mit dem er
Riesenkettenradkarusell
mit eingebauter Achterbahn fahren kann.
Von der Ameise Karl durch > R V I < .2oo6. nacherzählt .